Seltene Erden als industrielles Gold

von Johannes Fritsche

SchwarzwÀlder-Bote, 04.12.2014 18:52 Uhr

Ohne Seltene Erden wÀre das moderne Leben und seine Technologien nicht denkbar. Deshalb war es nur ein Frage der Zeit, dass der Hauptproduzent China die Ausfuhr stoppt und den Westen unter Druck setzt.

Ein nicht so gelĂ€ufiges, aber wichtiges Thema prĂ€sentierte OberbĂŒrgermeister Thomas Herzog im WirtschaftsgesprĂ€ch der Stadt am 26. November: „Seltene Erden – die Suche nach dem industriellen Gold“. Zahlreiche Unternehmer und an Wirtschaftsthemen Interessierte waren in den Vortragssaal der Kreissparkasse zur Veranstaltung der Wirtschaftsförderung gekommen.

Den Vortrag hielt ein Referent, der gleichermaßen Experte wie Insider war. Bernd Grieb, Managing Director der Magnequench GmbH TĂŒbingen, ein Unternehmen der Molycorp, Inc. mit Hauptsitz in Greenwood Village im US-Bundesstaat Colorado. Außerhalb Chinas einer der wenigen Eigner eine Mine fĂŒr Seltene Erden in Kalifornien.

Viele SchlĂŒsseltechnologien wĂŒrden ohne Seltene Erden nicht funktionieren, fĂŒhrte Grieb aus: Röhren-, Plasma- und LCD-Bildschirme, Windkraftanlagen, Leuchtstoffröhren, Radaranlagen, PC-Laufwerke, Handys und nicht zuletzt Dauermagnete in vielen Produkten.

„Im modernen Auto können bis zu 100 Elektromotoren eingebaut, in einer Windkraftanlage bis zu 3,7 Tonnen Magnetstoffe verbaut sein“, fĂŒhrte Grieb als Beispiele auf.

Was viele Zuhörer nicht wussten: die MS-Schramberg GmbH & Co. KG in Sulgen ist mit ihren mehr als 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 92 Millionen Euro der zweitgrĂ¶ĂŸte Hersteller von Seltenerdmetall-Magneten in Europa.

Vor seiner TĂ€tigkeit fĂŒr Molycorp war Grieb Leiter der Abteilung Seltenerdmetall-Magnete bei MS-Schramberg. 16 verschiedene Elemente werden zu den seltenen Erden gezĂ€hlt. „Sie kommen gar nicht so selten vor, wirtschaftliche AbbaustĂ€tten sind selten“, berichtet Grieb.

In der Vergangenheit war China mit 95 Prozent der Lieferungen der grĂ¶ĂŸte und praktisch einzige Lieferant von Bedeutung. 2010 wurde es plötzlich eng fĂŒr die Abnehmer in Europa und weltweit, die Preise schossen in die Höhe: China drosselte die Ausfuhr der Seltenen Erden radikal. Als Reaktion darauf aktivierte Molycorp wieder ihre Mine (Mountain Pass). Ein bis eineinhalb Milliarden Dollar hĂ€tte es gekostet, eine neue Mine zu erschließen

Noch in den neunziger Jahren waren die USA Hauptförderland, die Förderung wurden jedoch unrentabel, weil China viel billiger lieferte. Allerdings um den Preis riesiger Umweltverschmutzung durch die dortige primitive Gewinnung und Weiterverarbeitung. Giftige RĂŒckstĂ€nde (zum Beispiel Thorium, Uran, Schwermetalle, SĂ€uren, Fluoride). fallen an, dazu kommt das permanentes Risiko fĂŒr das Austreten von RadioaktivitĂ€t, da viele Seltene Erden radioaktive Substanzen enthalten. Grieb erwĂ€hnt auch die wichtige Rolle der Seltenen Erden fĂŒr Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Zehn Prozent des Gesamtenergiebedarfs kann eingespart werden, wenn geregelte Motoren mit Seltenerdmetallen eingesetzt werden. Beim konsequenten Einsatz in den 87 Millionen Heizungspumpen in Europa könnten zwei Atomkraftwerke eingespart werden.

Dass es noch keine Sammelsysteme und keinen Recyclingmarkt trotz guter Trennsysteme gibt, bedauert Grieb. Zum Abschluss zeigte der Experte noch ein informatives Video ĂŒber den Abbau und die Weiterverarbeitung von Seltenen Erden bei der Molycorp-Mine in Kalifornien.

Wolfgang Flaig Direktor der GeschĂ€ftsstelle Schramberg der Kreissparkasse Rottweil bedankte sich nach den Vortrag mit einem PrĂ€sent und lud alle Besucher dazu ein, bei einem kleinen Imbiss sich weiter auszutauschen, bestehende Kontakte zu pflegen und neue zu knĂŒpfen.

Weitere Informationen: www.molycorp.com

 

Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.schramberg-seltene-erden-als-industrielles-gold.1927252d-cfdc-4e8f-bc40-1fbb9e99c06d.html

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