Preiserholung bei strategischen Rohstoffen

Hasso Bergmann

Nachdem Peking Anfang des Jahres bereits die Exportquoten gekippt hat, soll im Rahmen des WTO-Urteils Anfang Mai auch die Exportsteuer fallen. Diese bewegt sich je nach Metall zwischen 15 und 25%. Eine solche Maßnahme könnte durchaus die Preise unter Druck setzen, schreibt die Frankfurter Tradium GmbH in ihrem jüngsten Marktbericht. Allerdings plant Peking im Gegenzug die Einführung einer Ressourcen-Steuer von bis zu 35%. Diese soll dem Raubbau an den strategisch so wichtigen Ressourcen entgegenwirken und den Markt wieder in Balance bringen.

Die Preise für Seltene Erden haben zum Teil wieder deutlich angezogen. Dies ist insofern bemerkenswert, da in den Wochen vor den chinesischen Neujahrs-Feierlichkeiten meistens eine konträre Preisentwicklung zu beobachten war. Doch dieses Jahr wird kaum von liquiditätsgetriebenen Verkäufen berichtet. Daraus könnte man eine gewisse Nachhaltigkeit ableiten. Die Gründe sind vielschichtig. Zum einen wurden viele Fabriken bereits vor Beginn der Neujahrs-Feierlichkeiten geschlossen. Hinzu kommen Gerüchte, dass Peking erneut im großen Stile verschiedene Seltene Erden für staatliche Reserven aufkaufen will. Aber auch die zunehmenden Erfolge im Kampf gegen illegalen Bergbau und Schmuggel haben viele Produzenten veranlasst, die Preise zu erhöhen.

Preissteigerungen sind derzeit am stärksten bei den sogenannten Magnet-Metallen Neodym, Dysprosium, Terbium und Praseodym zu beobachten. Die Preise für Hafnium haben in den letzten Monaten deutlich angezogen. Es ist offensichtlich, dass die beiden Marktführer derzeit Probleme haben, mit dem Bedarf an hochwertigem Hafnium Schritt zu halten. Gleichzeitig wurden hohe Lagerbestände in Ländern wie der Ukraine massiv reduziert, auch, weil Bedarfsmengen die Neuproduktion deutlich übersteigen.

Hafnium gilt als strategisches Metall, das sich einer zunehmenden Anzahl neuer Anwendungen und Märkte stellen muss. Steigender Bedarf aus der Luftfahrtindustrie – reflektiert durch volle Auftragsbücher – ist nur ein Beispiel für die derzeitigen Herausforderungen. Es gibt eine Reihe von Legierungen für sowohl Luftfahrt als auch Gasturbinen, die Hafnium als unverzichtbar erachten.

Der Fachdienst „Metal-Pages“ berichtet, dass der Haushaltsentwurf der USA für 2016 eine Rückkehr zu höheren Verteidigungsausgaben vorsehe. Nach sechs Jahren regelmäßiger Kürzungen plane die US-Regierung zusätzliche Ausgaben in Höhe von 4%, um den steigenden globalen Bedrohungen entgegenzuwirken. Details verraten, dass ein signifikanter Teil der Mehrausgaben in die Modernisierung von Überwachungs- und Aufklärungssystemen gehen soll. Dazu zählen u.a. Satelliten, Telekommunikation und elektro-optische Geräte, die eine Hauptanwendung für das Metall Germanium darstellen.

Strengere Handelsbedingungen bei der chinesischen Plattform Fanya haben dazu geführt, dass Investoren größere Indium-Mengen verkauft und für eine Entspannung auf den Weltmärkten gesorgt haben. In der Folge sind die Preise deutlich unter Druck geraten. Doch Vorbereitungen auf die Neujahrs-Feierlichkeiten haben auch bei Indium dazu geführt, dass sowohl Produzenten als auch Händler vorerst abwarten.

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Quelle: http://www.onvista.de/news/preiserholung-bei-strategischen-rohstoffen-2075159
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