Seltene Erden: Warum kauft China massenhaft?

Autor: Clemens Schmale

China ist der weltweit grĂ¶ĂŸte Produzent von Seltenen Erden und kauft nun quasi von sich selbst riesige Mengen der Metalle ab. Was steckt dahinter?

Die Chinesen haben einen Marktanteil von 90% bei Seltenen Erden. Es mangelt ihnen also nicht an den Metallen, die im Technologiesektor unbedingt notwendig fĂŒr die Produktion sind. Trotzdem werden die Metalle nun gehortet. Das State Reserve Bureau kaufte vor kurzem 10.000 Tonnen auf. Das SRB ist unter anderem fĂŒr das Management strategischer Ressourcen zustĂ€ndig. Dazu gehören nicht nur Rohstoffe, die China selbst fördern kann, sondern auch andere Rohstoffe, die es importieren muss. Das SRB kĂŒndigte z.B. Ende 2013 an, dass sie im Jahr 2014 planen, bis zu 300.000 Tonnen Kupfer und 100.000-150.000 Tonnen Nickel zu kaufen. Sinn der KĂ€ufe und Lagerung ist es eine Verknappung zu vermeiden oder ggf. auch zu hohe Marktpreise zu kompensieren. Das funktioniert nicht immer gut. In der Organisation wird auch viel mit Rohstoffen gehandelt, nicht nur gekauft und gelagert. 2005 hatte ein HĂ€ndler des SRB 200 Mio. USD mit einer Shortposition auf Kupfer in den Sand gesetzt.

Inzwischen ist das SRB weniger als Trader bekannt, sondern hauptsĂ€chlich als EinkĂ€ufer. FĂŒr Seltene Erden werden seit Monaten LagerhĂ€user gebaut. Der staatlich kontrollierte Konzern Baotou Steel Rare-Earth soll angeblich bis zu 100.000 Tonnen der Metalle lagern können. Bisher waren das vor allem GerĂŒchte, die sich zeitweise auf den Preis der Metalle auswirkten. Irgendwann nahm der Markt die GerĂŒchte nicht mehr ernst, bis es in diesem Monat dann tatsĂ€chlich zum ersten Kauf von 10.000 Tonnen kam. Der Preis vieler Seltener Erden zog deutlich an. Das lĂ€sst eine erste Vermutung zu: die Preise fĂŒr Seltene Erden sind seit dem Hype vor einigen Jahren dramatisch gefallen. FĂŒr viele Produzenten ist die Förderung an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit. Selbst die Exportquoten haben daran nichts geĂ€ndert. Der Kauf könnte daher als eine Art PreisstĂŒtzung gesehen werden, zumal das SRB bis zu 10% ĂŒber Marktpreis bezahlt haben soll.

Unter den gekauften Metallen sind fast alle vertreten – bis auf Cerium und Lanthanum. Diese beiden Metalle sind besonders hĂ€ufig und das Produktionsvolumen ist hoch. Hier hĂ€tte China sehr viel grĂ¶ĂŸere Mengen kaufen mĂŒssen, um den Preis nachhaltig nach oben zu drĂŒcken. Dass sie das nicht getan haben, könnte vor allem den Grund haben, dass auslĂ€ndische Minenbetreiber wie Molycorp diese beiden Metalle fördern. Die Chinesen wĂŒrden wahrscheinlich nur ungern Konkurrenten aus dem Ausland mit höheren Marktpreisen beschenken.

Es kann aber auch einen ganz anderen Grund fĂŒr die KĂ€ufe geben. Seltene Erden kommen (entgegen dem Namen) recht hĂ€ufig vor, die Konzentration ist allerdings gering. Die Förderung ist aufwendig, besonders bei den schweren und etwas seltener vorkommenden Metallen. Hier wĂ€re es durchaus denkbar, dass China langfristig den Nachschub fĂŒr die eigene Industrie sichern will. Die schweren Seltenen Erden dĂŒrften in einigen Jahren tatsĂ€chlich seltener werden. Die Preis dĂŒrften stark steigen. Chinesische Unternehmen könnten dann von staatlicher Seite mit billigem Nachschub versorgt werden, wĂ€hrend auslĂ€ndische Unternehmen horende Preise zahlen mĂŒssten. Das wĂŒrde der heimischen Industrie einen Vorteil verschaffen.

Ob man bereits ĂŒber die kommenden Jahre mit sinkender Förderung rechnen muss, ist eher unwahrscheinlich. Eine Theorie geht daher davon aus, dass das Verfahren gegen die Exportquoten bei der Welthandelsorganisation Erfolg haben könnte. MĂŒsste China die Quoten abschaffen, hĂ€tte es nur mehr einen geringen Einfluss auf die Preise ĂŒber geringe Exporte. Verknappen können die Chinesen das Angebot dann nur, wenn wirklich weniger auf dem Markt ist. Das geht nur, wenn jemand große Mengen kauft. Noch gibt es aber die Quoten, wieso sollten die Chinesen dann bereits jetzt zu kaufen beginnen?

Die Intention Chinas ist nicht ganz klar. FĂŒr gewöhnlich sagen sie auch nicht direkt, was sie mit solchen Aktionen bezwecken. Der Schritt kam nun aber zu einer Zeit, in der der Sektor in China zwangsweise konsolidiert wird. 5 große Produzenten werden zu einem Konzern verschmolzen. Teilweise hatten die einzelnen Konzerne nur mehr eine Auslastung von 35%. Die KĂ€ufe könnten den Preis stĂŒtzen und den Unternehmen letztlich bei der Konsolidierung helfen. Bis die ÜberkapazitĂ€ten abgebaut sind und die Preise wieder aufgrund der Nachfragesituation steigen, können die KĂ€ufe und damit höhere Preise einige Unternehmen ĂŒber Wasser halten. Der Kauf von Seltenen Erden ist letztlich eine indirekte Subventionierung eines Sektors, der viel zu viel KapazitĂ€t hat und ohne Preisanschub und Konsolidierung vor ernsthaften Solvenzproblemen stehen wĂŒrde.

Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass das der Grund fĂŒr den Eingriff in den Markt ist. Ungewöhnlich wĂ€re das allerdings nicht.

Quelle: http://www.godmode-trader.de/artikel/seltene-erden-warum-kauft-china-massenhaft,3868816

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