Neue Technologie holt seltene Erden aus Elektroschrott

Ein junges US-Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, um Elemente der Seltenen Erden aus Elektroschrott zurĂŒckzugewinnen. Die futurezone hat nachgefragt. 

Mit seinem Start-up Reecycle (Ree steht fĂŒr Rare Earth Elements, Anm.) bietet der 25-jĂ€hrige US-Unternehmer Casey McNeil ein Verfahren an, das es erlaubt, wertvolle Seltene Erden aus Elektroschrott zurĂŒckzugewnnen und das mit Profit. “Wir haben ein organisches Lösungsmittel, das die RĂŒckgewinnung von Seltenen Erden in Form von Metall-organischen GerĂŒsten erlaubt. Wir können damit als Teil des Recycling-Prozesses selektiv bestimmte Elemente ausfĂ€llen”, sagt McNeil gegenĂŒber der futurezone. Das Lösungsmittel ist laut McNeil zwar schwach giftig und hat einen PH-Wert von 6, kann aber so weit neutralisiert werden, dass keine UmweltschĂ€den zu befĂŒrchten sind. Das ist wichtig, weil die Mischung derzeit nach wenigen Zyklen ausgetauscht werden muss.

Die Umwelt profitiert trotzdem davon, da Abbau, Transport und Entsorgung der Seltenen Erden bislang weitaus grĂ¶ĂŸere SchĂ€den verursacht haben. Die begehrten Stoffe, die entgegen ihrer Benennung eigentlich nicht selten sind, sondern nur schwer abzubauen, sind fĂŒr viele elektronischen und chemischen Anwendungen unverzichtbar, etwa in Lasern, Beleuchtungskörpern, Bildschirmen, Brennstoffzellen, Akkus, Elektromagneten, Elektromotoren oder Glasfaserkabeln.

Einzigartige Technik

Die Patente fĂŒr das Verfahren hat Reecycle bereits beantragt. Eine vergleichbare Technologie gibt es laut McNeil derzeit nirgendwo sonst. Derzeit spezialisiert sich Reecycle auf die Elemente Neodym und Dysprosium, die zwei profitabelsten Seltenen Erden. Neodym und Dysprosium spielen etwa in Hochleistungsmagneten wie sie in der Medizin oder im Teilchenbeschleuniger des CERN in Genf zum Einsatz kommen eine große Rolle. “Wir könnten mit unserer Technik 15 der 17 wertvollen Seltenen Erden zurĂŒckgewinnen. FĂŒnf davon stehen auf der Liste der kritischen Rohstoffe, etwa Europium, Yttrium und Therbium. Derzeit spezialisieren wir uns aber wie gesagt auf die zwei wichtigesten”, sagt McNeil. In einem Werk hat Reecycle den Betrieb bereits aufgenommen, weitere Standorte in den USA sollen den nĂ€chsten drei Jahren folgen. “Wir sind in der Pilotphase, zusammen mit großen Konzernen, die uns helfen, die Materialien, also den Elektroschrott, zu beschaffen”, sagt der Jungunternehmer.

LĂ€ngerfristig soll auch in Europa eine Verwertungskette aufgebaut werden, jedoch frĂŒhestens in drei bis fĂŒnf Jahren. “In den USA ist es einfacher, weil die Recycling-BemĂŒhungen noch nicht so weit fortgeschritten sind wie in Europa”, erklĂ€rt McNeil. In drei Jahren sollen in den USA 100 bis 150 Tonnen Neodym und Dysprosium aus AbfĂ€llen gewonnen werden. Das ist zwar ein geringes Volumen, soll sich aber trotzdem rechnen. “Dadurch, dass China fast alle derzeit nutzbaren Vorkommen Sltener Erden kontrolliert und der Bedarf stĂ€ndig steigt, mĂŒssen neue Quellen erschlossen werden. Der Aufbau von AbbaustĂ€tten außerhalb Chinas ist aber extrem teuer und dauert lange”, sagt McNeil. Alternative Technologien, etwa das Gewinnen der Elemente aus Unterwasservorkommen oder dem All, sind derzeit lediglich WunschtrĂ€ume.

“Wir haben bereits viele Interessenten, mit denen wir verhandeln. Die wollen unseren Prozess in ihre Werke integrieren. Aus China gibt es ebenfalls schon Interesse. Zwar liegen dort große Vorkommen, aber der Bedarf wĂ€chst ebenfalls stark”, sagt McNeil. Zudem muss um geringe Mengen der Elemente zu fördern mit großem Aufwand wertloses Material abgebaut werden. “Wir haben 2010 scon einen Zusammenbruch des Marktes fĂŒr die Elemente der Seltenen Erden gesehen und mehrere Preisanstiege, das Interesse sollte also hoch bleiben”, sagt McNeil. Andere Seltene Erden könnten, wenn die Nachfrage und damit die ProfitabilitĂ€t weiter steigt, ebenfalls schon bald in Reecycles Angebot aufgenommen werden.

Quelle: www.futurezone.at

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