Ein schwer zu brechendes Monopol

VON 13. MAI 2014 UM 13:57 UHR

Die Abhängigkeit des Westens von China ist in manchen Bereichen nur schwierig zu reduzieren. Gut sichtbar wird dies am Beispiel der Seltenen Erden: China hatte 2011 angekündigt, die Ausfuhr der Rohstoffe deutlich zu drosseln. Die Volksrepublik, die zu dem Zeitpunkt mehr als 95 Prozent der weltweiten Nachfrage nach den begehrten Hochtechnologiemetallen bediente, machte einen größeren Eigenbedarf für seine heimische Industrie geltend. Die Preise schossen in die Höhe. Die Europäische Union, Japan und die USA legten daraufhin Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) ein. Sie sahen darin einen Verstoß gegen die vereinbarten Welthandelsregeln.

Zugleich offenbarte der Streit das Quasimonopol der Chinesen über die Seltenen Erden und wie abhängig sich der Rest der Welt von der Volksrepublik inzwischen gemacht hat. USA, Japan, die EU und andere Staaten versprachen, den Abbau der für die Herstellung der meisten Hightech-Produkte benötigten Metalle nicht weiter allein China zu überlassen, sondern schnell wieder auf den eigenen Abbau zu setzen. Doch viel ist seitdem noch nicht geschehen.

Bei den Seltenen Erden handelt es sich um eine Gruppe chemischer Elemente. Sie werden für so ziemlich alle Produkte benötigt, die mit moderner Elektronik zu tun haben. In Smartphones stecken diese Metalle, ebenso wie in Flachbildschirmen, Computerplatinen, Mikrochips, aber auch in Windkraftanlagen und modernen Waffen. Entgegen ihrer Bezeichnung sind diese Metalle nicht wirklich selten, sondern in vielen Ländern durchaus vorhanden. Doch die Gewinnung gilt als arbeitsintensiv und hinterlässt giftigen Müll. Die meisten Industrieländer hatten ihre Abbaustätten daher geschlossen, nachdem China im Laufe der neunziger Jahre seine Produktion massiv ausweitete und dem Rest der Welt seine Seltenen Erden preiswert zur Verfügung stellte. Das erklärt Chinas Weltmarktanteil von rund 95 Prozent – bis eben Peking vor drei Jahren die Ausfuhr einschränkte.

Zwar hat das WTO-Schiedsgericht den Industriestaaten nun recht gegeben. Es befand im März, dass Chinas Exportbeschränkungen gegen die vereinbarten Welthandelsregeln verstoßen. Doch die Auswirkungen dürften gering sein. Das vor Kurzem in Berlin gegründete Mercator Institut für China-Studien (Merics) vermutet, dass bis zur wirklichen Umsetzung der Entscheidung noch viel Zeit vergehen dürfte – wenn überhaupt. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich China Urteile der WTO widersetzt und Konsequenzen ausbleiben.

Zugleich ist aber auch die von den Industrieländern versprochene Diversifizierung ausgeblieben. Das US-Unternehmen Molycorp hat zwar den Betrieb einer alten Abbaustätte im kalifornischen Mountain Pass wieder aufgenommen. Malaysia bereitet seit einem Jahr Erze auf, die es aus Australien bezieht. Und Geologen haben in den vergangenen Jahren weltweit mehrere Hundert neue Vorkommen ausfindig gemacht. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) geht davon aus, dass zumindest bei einem Teil dieser Metalle, den häufiger vorkommenden sogenannten Leichten Seltenen Erden, die Fördermenge in den nächsten drei Jahren außerhalb Chinas deutlich ausgeweitet wird. Zudem wird weltweit immer mehr recycelt.

Doch der Elan beim Aufbau neuer Stätten außerhalb Chinas hat schon wieder deutlich nachgelassen. Wegen der anhaltend schwächelnden Weltwirtschaft und der zuletzt sinkenden Nachfrage nach den Metallen auch in China haben die Preise wieder fast das Niveau von vor 2011 erreicht. Das nimmt jedoch den Druck, neue Abbaustätten in Betrieb zu nehmen, die auch die schweren seltenen Erdelemente gewinnen. Bei diesen Metallen geht das ZEW davon aus, dass China bis mindestens Ende des Jahrzehnts seine Monopolstellung behaupten kann. Aktuell stammt auch weiter rund 90 Prozent der Weltproduktion aller Seltenen Erden aus China.

Insbesondere der Aufbau von Minen mit einem hohen Anteil der Schweren Seltenen Erden sollte daher schleunig forciert werden. Nach bisheriger Erfahrung dauert der Aufbau solcher Stätten zwischen zehn und fünfzehn Jahre. Das ist zu lang. Nicht zuletzt die Energiewende in Deutschland, aber auch das Bemühen anderer Länder, verstärkt auf Elektromobilität und anderen neuen Umwelttechnologien zu setzen, dürften die Nachfrage nach Metallen der Seltenen Erden schon sehr bald anheizen. Diese Vorhaben könnten noch teurer werden, sollte China auch über 2020 hinaus die Preispolitik bestimmen.

Quelle: http://blog.zeit.de/china/2014/05/13/ein-schwer-zu-brechendes-monopol/
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